Geschichte

Mitgliederliste 1885/1886

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde zur Zeit der Herbstkirmes gelegentlich dienstags im Gasthaus Wantzen auf der Marktstrasse ein Festball veranstaltet, welcher von den Eschweiler Bürgern sowie auch Gästen aus der weiteren Umgebung gerne besucht wurde. Auf einem solchen Dienstagsball des Jahres 1881 schlug Herr Lütgen-Borgmann, ein Industrieller aus Eschweiler, die Gründung einer Vereinigung vor, welche den Zweck der gesellschaftlichen Unterhaltung der Bürger aus Eschweiler und Umgebung zum Ziel hatte. Bereits vor diesem Datum gab es eine Vereinigung mit dem Namen "Erholung", die vorwiegend aus Angehörigen industrieller Familien bestand, und welche unter der Führung von Herrn Lütgen-Borgmann stand. Am 16. Oktober 1881 wurde diese Gesellschaft aufgelöst, und es wurde eine neue Gesellschaft ins Leben gerufen, die einem erweiterten Kreis von Eschweiler Bürgern und deren Familien die Möglichkeit für ein geselliges Leben schaffen sollte. Dieses gesellige Leben bestand in einem wöchentlichen "Herrenabend", in einem monatlich veranstalteten "Familienabend" mit zahlreichen Darbietungen sowie aus drei bis vier Vereinsbällen und Tanzkränzchen in der Zeit von Oktober bis Karnevall sowie zwei Ausflügen im Sommer.

 

Veranstaltung aus dem Jahr 1894

Die junge Gesellschaft hatte regen Zulauf, und die Vereinsliste weist im Jahr 1987 45 ordentliche Mitglieder auf. Die Mitgliedsbeiträge betrugen fünf Reichsmark pro Quartal. Dazu kamen außerordentliche Mitglieder, die vierteljährlich einen Beitrag von 1,50 Reichsmark zu entrichten hatten. Die Zusammenkünfte fanden im alten Hotel Wantzen statt, im sogenannten Postwagen, einem neben dem Saal gelegenen länglichen Raum, der später umgebaut wurde.

Kunst und Musik standen bereits damals bei den Mitgliedern hoch im Kurs: Es gab eine Theatergruppe aus Mitgliedern der Gesellschaft, die unter der Leitung von Prof. Claes stand, seinerzeit Lehrer am damaligen Progymnasium, sowie eine Musik- und Gesangsgruppe. Aus dem Jahr 1894 stammt eine Einladung zu einem Familienabend mit "Concert" mit anschließendem Tanz, wobei als Sängerinnen Fräulein Heimbach, Apotherkerstochter, Fräulein Zander, Arzttochter, Fräulein Rüssges, Fabrikantentochter, und Fräulein Fischer, Bürgermeistertochter, allesamt Angehörige von Mitgliedern der Gesellschaft Erholung auftraten. Die frühen Mitglieder zeigten somit Engagement, Fleiß und Idealismus!

Regelmäßige Vereinsfeiern standen zudem zur Karnevallszeit an, weitere Theatheraufführungen und musikalische Darbietungen zu den jährlichen Dreikönigsfesten. 1906 wurde sogar "Der fliegende Holländer" aufgeführt, allerdings mit auswärtiger Unterstützung. Immerhin waren die Aufführungen so professionell arangiert, dass diese Feste auch über den Rahmen der Gesellschaft Erholung hinaus und selbst über die Sadt Eschweiler hinaus einen bedeutenden Ruf besaßen. Als beispielsweise "Der Raub der Sabinerinnen" aufgeführt wurde, waren auch Mitglieder der Stolberger Gesellschaft Erholung anwesend. Nach der Veranstaltung gab der damalige Präsident der Stolberger Gesellschaft, Herr Geheimrat Kommerzienrat Georg Viktor Lynen, den treffenden Kommentar zu seinen Leuten: "Packt ein, gegen die Eschweiler Gesellschaft kommt ihr nicht an!"

Das Dreikönigsfest 1893 zeichnete sich durch einen besonderen Programmpunkt aus: "Vortrag des Physikers Herrn Dähne aus Dresden "Über Electricität" mit den großartigsten Experimenten." In Eschweiler wurden zu dieser Zeit bereits seit sieben Jahren elektrische Kabel hergestellt.

Zu den jährlichen Veranstaltungen zählten wie erwähnt die Sommerausflüge. Am 30. Juli 1892 wurde eine Fahrt mit Pferd und Wagen nach Schönthal unternommen. Ein Punkt auf dem Tagesprogramm war die "Große-Riesen-Vereins-Fest-Bowle". Gemäß eines Schreibens vom 14. Juni 1890 vom Königlichen Eisenbahn-Betiebsamt an den Vorsitzenden der Gesellschaft Erholung Herrn Carl Haßlacher wurde der Gesellschaft die Gestellung eines Sonderzuges vom Rheinischen Bahnhof Eschweiler nach Langerwehe und zurück zum Preis von 100 Reichsmark bestätigt. Es ist nicht verwunderlich, dass sich diese Ausflüge großer Beliebtheit erfreuten!

Um die Jahrhundertwende verlegte die Gesellschaft ihren Sitz vom Hotel Wantzen in der Marktstrasse in die Marienstrasse in das Hotel Schützenhalle. Im Oktober 1906 wurden die oberen Räume des Hauses über einen festen Mietvertrag bezogen. In diesem Jahr feierte die Gesellschaft ihr 25jähriges Stiftungsfest im Schützenhallensaal mit einem festlichen Menü und beachtlicher Speisenfolge, und auch die Festfolge wies mit Musik, Theatheraufführungen und Tanz ein reichhaltiges Programm auf.

 

 

Ehemaliges Hotel Schützenhalle

 

 Die Gesellschaft hatte auch einen eigenen Kegelklub, der großen Zulauf besaß.

Die Gesellschaft Erholung war in dieser Zeit vor allem durch Herrn Carl Haßlacher geprägt, der mindestens 20 Jahre lang Präsident der Gesellschaft war. Kein anderer Vorsitzender hat auch nur angenähert die Geschicke des Vereins über einen so langen Zeitraum geführt! Fest steht, dass Herr Haßlacher am 8. Oktober 1909 über 25 Jahre dem Vorstand der Gesellschaft Erholung angehört hatte.

In den folgenden Jahren kamen zu den üblichen Aktivitäten noch das Billardspiel und ein Stammtisch hinzu. Insbesondere die Karnevallsfeste wurden für die Gesellschaft in dieser Zeit wichtig.

Am 21. Juni 1946 rief der amtierende Präsident Herr Steenarts zu einer Versammlung in das Restaurant Maubach, zu der 26 Mitglieder erschienen. Hugo Merckens wurde zum neuen Präsidenten gewählt, die Satzung wurde "entnazifiziert" und wieder die alte Satzung von 1925 aktiviert. 1949 wurden nach umfangreichen Instandsetzunmgsarbeiten, Neubeschaffungen von Mobilar und Heizungseinrichtungen wieder die alten Clubräume in der Schützenhalle bezogen. Das Leben in der Gesellschaft fand wieder zu alter Beliebtheit, und Tanzabende wechseltem sich ab mit Vorträgen, Theather und Musikabenden.

1956 wurde die Schützenhalle aufgrund städtebaulicher Maßnahmen abgerissen - und die Gesellschaft Erholung wurde heimatlos. 1958 wurde der Gesellschaft das Hüttenkasino des EBV für ihre Feste zur Verfügung gestellt, und weitere frohe Feste wurden in dem stetig wachsenden Mitgliederkreis gefeiert. Zu den anderen Festen kamen die Oktoberfeste hinzu, die Willi Vögeli einführte.

In der Zeit, in der die Gesellschaft noch eine feste Heimat besaß, gab es sogar einen Weinbeauftragten, der dafür zu sorgen hatte, dass stets ausreichend und vor allem guter Wein an den Abenden und auf den Festen zur Verfügung stand. 1968 wurde der vereinseigene Weinkeller aufgelöst.

Damit die Gesellschaft Erholung stetig neue Impulse erhält und nicht auf eingesessenen Pfaden weiterschreitet, wurde die Amtszeit der Präsidenten auf zwei Jahre in Folge beschränkt. Jeder einzelne dieser Präsidenten hat auf seine Weise den Verein gestaltet und zum Erfolg der Gesellschaft beigetragen. Dank ihnen, dank der gewissenhaften Schriftführer und dank der wenigen Kassenführer, die in aller Stille wirkend dafür gesorgt haben, dass die Finanzen stimmen, konnte sich die Gesellschaft Erholung bis heute zu einem angesehen und beliebten Verein weiterentwickeln.